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"Einer trage des anderen Last..."

Gedanken zum 4. Sonntag nach Trinitatis 2019

Pfarrerin Anne Hammann

Anne Hammann, Schulpfarrerin an der Arnold-Bode-Schule, Kassel

Meistens kommt sie fünf bis zehn Minuten zu spät. Nicht etwa still und schuldbewusst, sondern in "Power-Pose". Dann ist sie sich sicher, einen großen Auftritt vor bereits versammeltem Publikum hinlegen zu können.

Die Rede ist von meiner anstrengendsten Schülerin. Sie sucht und sie braucht Aufmerksamkeit von der ersten bis zur letzten Minute unserer Doppelstunde. Hinterher bin ich häufig geschafft und habe das ungute Gefühl, weder ihr, noch den anderen wirklich gerecht geworden zu sein.

Vieles habe ich ausprobiert: Die Eskapaden meiner Schülerin zu ignorieren, dieselben möglichst in den Unterrichtsverlauf zu integrieren, mit dem Mädchen über ihr Verhalten zu sprechen und anderes mehr. Sie bleibt anstrengend.

Sie alle, liebe Leserinnen und Leser, werden Menschen kennen, die Sie anstrengen, deren Verhalten Sie belastet, vielleicht sogar nervt. Nicht umsonst gibt es den Begriff "Nervensäge".

Kürzlich erzählte mir ein Freund von einem Mann, dessen Verhalten er unerträglich findet. "Wenn ich ihn von Ferne sehe, wechsele ich die Straßenseite", sagte er,"und wenn es dazu schon zu spät ist, vermeide ich den Blickkontakt und tue so, als ob ich ihn nicht gesehen hätte."

So verständlich wie – traurig.

Wie ging Jesus eigentlich mit schwierigen Zeitgenossen um?

Die Bibel beschreibt ihn als einen Menschen, der die Straßenseite nicht gewechselt und schon gar nicht seinen Nächsten keines Blickes gewürdigt hätte.

Jesus sah die Menschen an und erkannte sie. Spürte das große Bedürfnis nach Nähe, Liebe und Angenommenwerden hinter der "nervigen" Fassade.

Und dieses tiefe Bedürfnis stillte er, indem er seine Nächsten akzeptierte, tolerierte, ohne Vorbehalte liebte.

Das dürfen wir von ihm übernehmen. "Einer trage des anderen Last", diese Worte des Paulus könnten dann bedeuten: Ertragt einander mit Liebe und erkennt hinter der Fassade den bedürftigen Mitmenschen.

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen einen gesegneten Sonntag!

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