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Eine Grenze setzen

Gedanken zum 17. Sonntag nach Trinitatis 2011

Pfr. Stefan Nadolny

Pfarrer Stefan Nadolny
Pfarrer in Trendelburg und Friedrichsfeld

"Brich dem Hungrigen dein Brot", haben wir am Erntedankfest in der Bibel gelesen. Und weiter steht beim Propheten Jesaja die Verheißung, dass eine umfassende Solidarität auch zu allgemeinem Wohlstand führen wird.

Zum Jahrtausendwechsel startete die Kampagne "Erlassjahr 2000" mit der auch biblisch inspirierten Forderung, hoffnungslos überschuldeten Entwicklungsländern die Schulden zu erlassen, um ihnen eine Chance auf eine eigenständige Entwicklung zu geben und die Armut der Bevölkerung zu bekämpfen.

Wer hätte damals gedacht, dass die Problematik uns so bald und mit solcher Dynamik näher kommen würde, wie das jetzt durch die griechische Schuldenkrise der Fall ist.

Im Grunde bleibt die Forderung der Kampagne, die unter erlassjahr.de weiterarbeitet, dieselbe wie zum neuen Millenium: Wir brauchen "ein faires und transparentes Schiedsverfahren für überschuldete Staaten: Damit die Bevölkerung des Schuldnerlandes und ihre Grundversorgung geschützt sind. Damit die Gläubiger an den Kosten einer Schuldenkrise beteiligt werden. Damit die Kreditvergabe verantwortungsvoller wird."

Die Thematik scheint zum Dauerbrenner zu werden - und ist es im Grunde seit 2500 Jahren. Denn schon in der Bibel kritisieren die Propheten, nicht nur Jesaja, dass Schuldnern das letzte Hemd genommen wird. Und in den Gesetzestexten wird nicht nur der Zugriff auf das Eigentum der Ärmsten begrenzt, sondern es werden auch Regeln für eine Ent-Schuldung entwickelt: Nach sieben Jahren, wenn das Erlassjahr kommt, ist der Schuldner wieder frei.

Natürlich können diese Regeln nicht 1:1 auf die heutige Situation übertragen werden, und eine gute Lösung für das komplexe Problem zu finden ist sicherlich nicht einfach. Aber der Ansatz muss heute wie damals der selbe sein: Der lebensfeindlichen Schuldendynamik muss eine Grenze gesetzt werden - zum Schutz der Menschen in Griechenland und anderswo.

Ein pauschales Schimpfen auf "die Griechen" sollten wir uns unbedingt verbieten. Denn schon bald könnten wir die Bevölkerung sein, die zur Rettung der Banken schärfste Einschnitte hinnehmen muss.

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