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Flügge oder - Das pralle Leben

Gedanken zum 7. Sonntag nach Trinitatis 2011

Lektorin Nicola Watschong

Nicola Watschong
Lektorin, Oberweser-Arenborn

Seit heute sind sie flügge - rechtzeitig für ausreichend Flugtraining vor der Abreise in den Süden. Für die zweite Brut im Jahr bauten die Eltern ein neues Nest gut sichtbar in unserem Stall.

Die nimmermüde Sorge der Großen um die Kleinen, das langsame Wachsen und der unstillbare Hunger der Vogelkinder rührten jeden Tag an mein Herz. Wie vertrauensvoll und geduldig sie auf die Anflüge der Eltern warteten, dann das Gezeter, die weit aufgerissenen Schnäbel, hungriges Schlucken. Ein kurzes "Tschüssi" der Mutter und Ruhe kehrte ein im Nest.

Eigentlich wie bei uns Menschen, dachte ich jedes Mal - nur das mit dem Vertrauen, mit der Geduld und der bedingungslos sorgenden Achtsamkeit für unsere Mitwelt, das fällt uns Großen schwer.

Uns kann es nie schnell genug gehen, und es ist uns immer zu wenig, was wir haben. In diesem Spätsommer werden wir von vielen Seiten um Spenden gebeten und darum, Sorge zu tragen für andere, meist fremde Menschen.

Vor dem Ausfüllen einer Überweisung wird mancher erst einmal die eigene Lage gesichtet haben. Was ist noch drauf auf dem Konto, was ist drin im Kühlschrank? Sollen wir soviel spenden wie es eben geht oder uns mit dem Geld lieber gut versichern, damit es uns nicht ebenso geht wie denen, die bei Flut oder Feuer alles verloren haben?

"Seht die Vögel unter dem Himmel, sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch." Ist das blauäugig oder können wir noch etwas lernen von den Vögeln?

Heute - nachmittags: Eines der drei Jungen ist bei seinem Flug abgestürzt, es war nicht mehr zu retten. War die ganze elterliche Sorge umsonst?

Ich behaupte: Nein! Die Sehnsucht des Lebens nach sich selbst hat sich auch in den knapp drei Wochen jungen Lebens erfüllt, in jedem Brocken Nahrung, in jedem Zwitschern, in der Wärme des Nestes, in der Fürsorge der Eltern und im ersten Flug.

Lebensgenuss im "Hier und Jetzt" haben uns die Vögel ganz gewiss voraus. "Wie eine Mutter für ihre Kinder sorgt, so ist Gott uns zugetan." heißt es im Brief des Paulus an die Thessalonicher.

Wenn das bedingungslos und in unendlicher Fülle für uns gilt, warum sollte es uns dann schwer fallen, ohne Angst aus dem Vollen zu leben und selbst für andere zu sorgen?

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