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Vom Esel lernen

Gedanken zum 2. Advent 2011

Pfr. Michael Dorhs

Pfarrer Dr. Michael Dorhs
Studienleiter am Ev. Predigerseminar in Hofgeismar

"Burri" - so hieß ein Buch, das ich als Kind immer wieder vorgelesen bekam. Ich habe sie geliebt, diese Geschichte eines kleinen Eselchens. So wie auch heute noch viele Kinder leuchtende Augen bekommen, wenn sie einen Esel sehen, mit "Mehlmaul" und zum Anfassen. Ein Tier, das stehen bleibt, geduldig ist und Ruhe verbreitet.

Ich vermute, auf der Beliebtheitsskala für Tiere steht der Esel ziemlich weit oben. Das war nicht immer so. Esel waren früher die Lastenträger Nr. 1. Sie mussten Säcke schleppen, Karren ziehen, Mühlen antreiben. Das Allerletzte eben, was beim Auszählen in der Runde übrig blieb: "...Müllers Esel, das bist Du!"

Zum Advent gehört in unseren Kirchen die Geschichte von Jesu Einzug in Jerusalem - auf einem Esel! Die Menge jubelt ihm zu, erwartet Sensationelles - und war schon bald wieder enttäuscht von ihm.

Böse Zungen haben später behauptet: Die Christen beteten einen Esel als Gott an. Ja, sie seien selbst echte Esel! Wer so redet, will die Kirche verspotten. Aber ganz Unrecht hat er damit durchaus nicht. Der Esel gehört tatsächlich in das Weihnachtsevangelium. Denn in ihm geht es ja um Entlastung.

Gut zu wissen und zu hören - gerade im Advent! Wenn die Leute hektisch durch die Innenstädte laufen wie nervöse Rennpferde. Wenn die einen ihrem Kauftrieb folgen und sich Taschen mit Geschenken vollstopfen wie die Hamster.

Wenn andere ihr Weihnachtsgeld umsetzen in teure Hosen und Jacken und sich vor dem Spiegel drehen wie die Pfauen. Dann wünschte ich mir manchmal die Erinnerung an den Esel. Denn der geht seinen Weg gelassen. Manchmal zwar ein bisschen eigensinnig, aber das tut ihm gut.

Er keilt nicht aus nach den Kindern. Er trägt, was er zu tragen hat. Und wenn sein Pfad schmal und steinig ist, bewegt er sich trittsicher, auch wenn das ganze Umfeld chaotisch ist. Wo die Sänften und Kutschen am Weg liegen bleiben, wo die Schlachtrosse umkehren müssen, da erreicht der Esel meist gut sein Ziel.

Wenn man das über Christinnen und Christen auch sagen kann - wunderbar! Deshalb: Seien Sie kein Esel, sondern lernen Sie lieber von ihm!

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