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Beim Namen gerufen

Gedanken zum 16. Sonntag nach Trinitatis 2010

Pfarrerin Anne Vilmar

Anne Vilmar
Pfarrerin der Ev. Stadtkirchengemeinde und in Kelze

Hallo! Kennst du mich noch?
Zwei lachende Kinderaugen blitzen mich an, das Mädchen läuft plötzlich neben mir und bringt mich zum Stehen.

Na klar kenne ich dich, sage ich schnell und füge hinzu: Und ich weiß auch woher, aus dem Kindergarten nämlich. Nebenbei denkt mein Kopf: Gut, dass mir das einfällt und Erleichterung breitet sich gleich in mir aus.

Gut gelaunt und heiter setzen wir nun gemeinsam unseren Weg fort. Doch da bleibt die Kleine mit ihrem Schulranzen schon wieder stehen und ihre Augen lachen mich an: Und? Weißt du auch noch wie ich heiße?

Jetzt hat sie mich doch erwischt, denke ich, und sofort fange ich an zu grübeln. Ich sehe sie an, sehe ihr Lachen, ihre Spannung, die sich auf mich überträgt, aber leider: Ein passender Name will mir trotzdem nicht einfallen. Schon schüttele ich den Kopf, leider nein, gebe ich zu, ich hab deinen Namen vergessen. Doch auch darauf lacht sie nur: Mein Name fängt mit S an!

Wir stehen schon wieder: Sie voller Spannung und Neugierde und ich, weil ich verwundert bin und innerlich berührt durch die Art dieses Kindes. Sie nimmt es mir gar nicht übel, denke ich, sie ist nicht beleidigt, noch nicht einmal enttäuscht. Stattdessen hilft sie mir nachsichtig und fröhlich auf die Sprünge: Mein zweiter Buchstabe ist ein A!

Da endlich fällt er mir ein, ihr Name, und ich rufe erleichtert und fröhlich: Samantha! Mit einem Freudensprung quittiert sie mein Ergebnis. Genau, lacht sie und hüpft mit dem Ranzen.

Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, spricht Gott. Dieses Wort aus der Bibel geht mir später durch den Kopf, nachdem wir uns fröhlich voneinander verabschiedet hatten. Dieses Mädchen hat mich an etwas ganz Wesentliches erinnert, denke ich beim Weitergehen, nämlich daran, wie schön es ist, wenn uns jemand bei unserem Namen nennt.

Unser Name gehört zu uns, er ist viel mehr als nur die Aneinanderreihung von Buchstaben. Mein Name erzählt von mir, von meiner Person und zusammen mit mir ist er ein Ausdruck von meiner Einzigartigkeit.

Und er bekommt, je nachdem wer ihn nennt, einen eigenen Klang: mal höflich und distanziert, mal zärtlich und liebevoll. Oder mitfühlend und ermutigend, herausfordernd oder anklagend.

Wenn Gott mich bei meinem Namen ruft, dann stelle ich mir vor, dass es liebevoll ist, vielleicht sogar zärtlich. Und ermutigend, in jedem Falle tröstlich.

Und, wer weiß?, vielleicht liegt in seinem Ruf auch etwas von dem Lachen, von der Neugierde und Heiterkeit, wie sie mir in dem Mädchen begegnet ist. Fröhlich denke ich: Gott jedenfalls vergisst unsere Namen nicht!

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