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Das wirksame Wort

Gedanken zum 15. Sonntag nach Trinitatis 2010

Bernd Greilich

Bernd Greilich
Jugendreferent und Prediger der Evangelischen Gemeinschaft im Bezirk Hofgeismar

Bei einem Besuch einer Synagoge könnte einem der Innenraum vertraut erscheinen. Ein Mittelgang führt geradewegs auf eine Art Altarraum zu, wo sich ein kostbar ausgestatteter Schrank befindet, der sehr an einen katholischen Tabernakel erinnert.

Wenn man allerdings die wichtigen Teile dieses Raumes von einem Sachkundigen erklärt bekommt, erfährt man, dass in diesem Schrank die fünf Bücher Mose (die Thora) untergebracht sind. Und man erfährt weiterhin, dass für gläubige Juden Gott in der Thora geradezu persönlich anwesend ist. Dieser besonderen jüdischen Auffassung vom Wort Gottes möchte ich mit ihnen noch ein wenig nachgehen.

Nach altertümlicher Betrachtung ist der Atem ein Zeichen dafür, dass ein Mensch lebt. Wenn er nicht mehr atmet, lebt er nicht mehr. Das bedeutet: Es gibt einen guten Grund, den Atem als Sitz des Lebens zu betrachten.

Daraus folgt: Wenn ich spreche, forme ich meinen Atem, und der, der mich hört, nimmt sozusagen Teile meines Atems in sich auf. So ist Sprechen eine Art von Lebensmitteilung. Schließlich: Wenn Gott spricht, sind seine Worte eine Art göttlicher Lebensmitteilung.

So hat Israel von den zehn Geboten immer als von den "Zehn Worten" gesprochen. Es ging nicht so sehr um Gebote, die dem Menschen so manches verbieten sollen, sondern um Lebensangebote, um Lebensmitteilung, um lebendige Anleitung zu gelingendem Leben.

Deshalb werden in jüdischem Denken die zehn Worte nicht als lästiges Regelwerk betrachtet, sondern als eine barmherzige Lebenshilfe, die der Schöpfer aller Dinge seinen Geschöpfen mit auf den Weg gibt. Ähnlich ist der Vorgang bei der Erschaffung Adams: Der Lehmkloß, den Gott geformt hat, empfängt das Leben durch das Anhauchen mit dem Atem Gottes.

Außer Lebensmitteilung und natürlich auch der Information beinhaltet nach jüdischem Denken das Sprechen auch Vollmacht. So spricht Gott im Alten Testament: Mein Wort wird nicht zu mir zurückkehren, ohne, dass es etwas bewirkt hat.

So kommt es, dass auch in vielen Kirchen eine aufgeschlagene Bibel zu finden ist. Und deshalb feiern wir in jedem Gottesdienst, dass Gott sich uns zuneigt, sich in Jesus Christus greifbar, sichtbar und hörbar gemacht hat. Denn "Gottes Wort ist lebendig und voller Kraft." (Hebräerbrief 4, 12)

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