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Schluss mit durstig

Gedanken zum 7. Sonntag nach Trinitatis 2010

Pfarrer Andreas Herrmann

Andreas Herrmann
Pfarrer an der Altstädter Kirche Hofgeismar und Kelze

Hochsommerliche Temperaturen herrschen in Deutschland in diesen Wochen. Eine tropische Hitze macht sich auch in unserer Region breit. Viele stöhnen und vermeiden – sofern es möglich ist – jeden Schritt aus dem Haus. Andere sind dankbar für jedes Schattenplätzchen. Und man fragt sich, wie man früher ohne Klimaanlage im Auto oder im Büro solche Sommermonate überstehen konnte.

Wer in diesen Tagen Ferien oder Urlaub hat, wird die Nähe zum kühlen Nass suchen und die Erfrischung sowohl von außen als auch von innen genießen.

Die biblischen Erzählungen sind bekanntlich in einer Gegend entstanden, in der die Bewohner mit Hitze und Trockenheit zu kämpfen hatten. Wüste, Steppe, Buschsavanne bildeten die natürliche Umgebung der Männer und Frauen, die wir aus dem Alten und Neuen Testament kennen.

Abraham und Sara, die Propheten Jesaja und Amos, auch Josef und Maria und die vielen anderen Personen, von denen die Bibel erzählt, kannten die stechende Sonne der Mittagszeit. Sie wussten, dass ein ausbleibender Regen oder ein versiegender Brunnen in einer Katastrophe enden konnte.

Kurzum: Die klimatischen Bedingungen im Nahen und Mittleren Osten prägten den alltäglichen Rhythmus unserer Ahnen im Glauben und somit auch die Texte, die von ihren Erfahrungen mit Gott erzählen. Darum muss es nicht verwundern, wenn in der Bibel an verschiedenen Stellen Gott mit einer Quelle verglichen wird. So z.B. im Psalm 36,10 "Denn bei dir ist die Quelle des Lebens."

Der Prophet Jeremia beklagt sich über seine Zeitgenossen in einer für ihn typischen Art: "Die lebendige Quelle verlassen sie und machen sich Zisternen, die doch rissig sind und kein Wasser geben." (Jeremia 2,13).

Vielleicht helfen uns die hohen Temperaturen dieser Tage dabei, dass uns dieses Bild von Gott, das für unserer Väter und Mütter im Glauben so wesentlich war, wieder näher rückt. Wer durchgeschwitzt ist und einen großen Durst hat, versteht besser, wenn von der Quelle des Lebens die Rede ist.

Mit Trockenheit, Dürre, Wüste sind damals wie heute konkrete Nöte verbunden, die mit einer entsprechenden Aufnahme von Flüssigkeit zu beheben sind.

Aber sie stehen auch für eine Phase in einer menschlichen Biografie, in der die Seelen ausgetrocknet sind. Wer eine trockene Zunge hat, geht dahin, wo es etwas zu Trinken gibt. Wer Lebensdurst verspürt, sollte sich auf den Weg zu Gott machen, denn der ist - so ist es in Psalm 1 zu lesen - wie ein Baum, der an Wasserbächen gepflanzt ist.

Mit anderen Worten: "Schluss mit durstig".

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