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Lust auf Leben

Gedanken zum 5. Sonntag nach Trinitatis 2010

Pfr. Michael Dorhs

Pfarrer Dr. Michael Dorhs
Studienleiter am Ev. Predigerseminar in Hofgeismar

Sommerliche Lese-Reisen

Wer gerne liest, muss ein neugieriger Mensch sein. Ich bin neugierig! Und ich lese gerne, jetzt in der Ferienzeit besonders.

Für mich ist es aufregend wie eine Urlaubsreise, mich in einen Roman zu vertiefen. Es ist, als ginge ich aus meiner Welt heraus und versenkte mich in eine andere. Und in manchen Augenblicken bin ich dann in dieser anderen Welt so zu Hause, dass mir die Eigene fremd wird.

Harry Potter-Fans wissen, wovon ich rede. Und viele Bibelleser! Denn auch in der Bibel taucht man ein in andere Welten. Und völlig fremde Menschen können einem auf einmal so nahe rücken, als kenne man sie seit Jahren. Fast so, als lebe man mit ihnen, fühle mit ihnen mit, wenn plötzlich "wie im richtigen Leben" ihre Welt durcheinandergebracht wird.

Die Bibel ist voll von solchen Geschichten. Sehr häufig ist es übrigens der Mann aus Nazareth, der das Leben von Männern oder Frauen so aufmischt. Und hinter ihm, so deutet es jedenfalls die Bibel, steckt als eigentlicher "Aufmischer" - Gott.

Er tritt ein in das vertraute Leben von Menschen. Und auf einmal spüren sie: Es könnte auch ganz anders sein, mein Leben. Ich könnte ja auch ganz anders sein, ganz anderes an und von mir leben lassen.

Und als Leser schaut man dann zu, fühlt mit und muss sich fragen: Und ich? Könnte ich auch ganz anders leben? Bin ich zu zufrieden mit dem, was und wie es ist?

Beunruhigende Fragen, manchmal so sehr, dass ich denke: "Schlag's zu, das Buch, und hör auf damit, denn solche Geschichten bringen dich bloß durcheinander." Und das stimmt. Denn zufrieden mit dem, was ist, macht die Bibel nicht.

Stattdessen macht sie neugierig auf das, was sein könnte, was aber (noch) nicht ist. Die Bibel macht aufmerksam auf das, was fehlt, was als Möglichkeit aber da ist, vielleicht ungelebt, ungeliebt, tabuisiert, aber prinzipiell da.

Das liebe ich an vielen biblischen Geschichten, dass sie niemals den Blick nach der anderen Welt aus den Augen verlieren. Dass es immer ein "mehr", ein "anders", ein "erfüllter" gibt. "Gelobtes Land" oder "Reich Gottes" - immer weist die Bibel auf große Ziele hin. Und sie macht neugierig, wenn man neugierig liest. Nicht nur auf's Lesen, sondern vor allem auf neues Leben.

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