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Sozialstaatdenken kontra Finanzmisere

Gedanken zum 3. Sonntag nach Trinitatis 2010

Pfarrer Hans Martin Wirth

Hans Martin Wirth, Diakoniepfarrer in den Kirchenkreisen Hofgeismar und Wolfhagen

Seit einer Woche regiert wieder König Fußball und zieht die Aufmerksamkeit, Emotionen, vielfach auch den Verstand, viele Hoffnungen oder Befürchtungen der Menschen auf sich.

Da kann sich eine Regierung nur freuen, die gerade dabei ist, den Sozialstaat zu demontieren. Es sieht so aus, als ob der Rat des Präsidenten des Bundesverbandes der deutschen Industrie wörtlich umgesetzt werden wird: nämlich hauptsächlich bei den Sozialausgaben zu kürzen, um die Finanzen des Staates zu sanieren.

Ein maßloses Sozialstaatdenken sei der Grund der derzeitigen staatlichen Finanzmisere. Dass eine christdemokratisch dominierte Regierung dem so treu folgt, ist schon verwunderlich. Denn die christlichen Wohlfahrtsverbände wie Diakonie und Caritas weisen schon seit Jahren mahnend darauf hin, dass sozialer Ausgleich und soziale Gerechtigkeit kein Luxus sind, sondern die unverzichtbare Basis für eine funktionierende demokratische Gesellschaft.

Was unsere Demokratie trägt, ist eine solidarische Gesellschaft, in der die starken Schultern verlässlich ihren Anteil tragen. Eine Politik, die die Starken schont, die Lobbypolitik betreibt, gefährdet nicht nur den sozialen Frieden.

Wer stattdessen denen in die Tasche greift, die jeden Euro weniger bitter spüren, sorgt dafür, dass die Betroffenen innerlich ihrem Staat zunehmend enttäuscht und gleichgültig den Rücken kehren.

Denn wer dauerhaft durch Arbeitslosigkeit und der damit einhergehenden Armut zu Untätigkeit verdammt wird, keine Perspektive für sich und seine Familie entwickeln kann, steht ganz schnell in der Gefahr, das Wissen um seine Würde zu verlieren, seinen Wert, seine Fähigkeiten und um seinen Platz in unserem Zusammenleben.

Wie kann er noch glauben, was ihm bei seiner christlichen Taufe zugesprochen wird: du bist willkommen hier auf dieser Erde, du wirst gebraucht, Gott und die Menschen stehen an deiner Seite. Derart frustrierte Menschen verlieren nur all zu leicht die Bereitschaft sich zu engagieren, sich politisch zu beteiligen oder zur Wahl zu gehen. Das aber kann kein Ziel von christlich orientierter Politik sein.

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