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Gibt es grenzenloses Wachstum?

Gedanken zum 1. Sonntag nach Trinitatis 2010

Pfarrer Reinhard Runzheimer

Reinhard Runzheimer
Gemeindepfarrer in Immenhausen und Mariendorf

Unsere Wirtschaft wächst wieder, und das ist ein Zeichen der Hoffnung. Schon in der Schule lernt man, dass Stillstand oder gar Rückschritt fatale Folgen haben werden und daher unbedingt zu meiden sind, nicht nur in der Wirtschaft.

Die letzten Jahre und mehr noch die Entwicklung der letzten Monate haben gezeigt, dass unsere globalisierte Welt wie ein Patient am Tropf dieser Wachstumsideologie hängt. Denn wenn das Vertrauen der Märkte in das Wachstumspotential eines Landes oder einer Währung erschüttert wird, dann fallen die Kurse und vor Ort sind mitunter viele Existenzen bedroht.

Die weltweit verflochtenen Zivilisationen ordnen sich der Gleichung "Wachstum = Hoffnung" unter, als wäre sie ein nicht mehr hinterfragbares Grundgesetz.

Dabei lehrt schon die tägliche Lebenserfahrung, dass es so etwas wie grenzenloses Wachstum nicht gibt. Es werden nicht nur immer wieder Grenzen erreicht, sondern in vielen Bereichen gibt es sogar Rückschritte: Auf Wachstum folgt Niedergang, das Leben endet im Tod.

Die Endlichkeit unserer Ressourcen und Möglichkeiten sowie die Endlichkeit des Lebens selbst sollten uns zu denken geben. Wie kann es sein, dass sich die ganze Menschheit von einem Konzept abhängig machen lässt, das völlig wirklichkeitsfremd ist?

Selbst wenn es mittelfristig in der Wirtschaft noch Sinn macht, so ist seine Voraussetzung dennoch auch für diesen Bereich falsch. Seine höchst fatalen Folgen kann jeder zur Zeit spüren.

Offensichtlich gibt es unter uns Menschen einen fatalen Hang dazu, gegen alle Erfahrung auf grenzenloses Wachstum zu setzen. Es waren die Religionen, die schon immer diesem Wunschdenken widersprochen haben. Rückgang und Ende müssen nicht notwendig schlimm sein.

Das Christentum spricht z.B. von Hoffnung trotz der Erfahrung von Endlichkeit und Verlust. Man wird die Wirtschaft gewiss nicht mit religiösen Ideen lenken können. Aber ich denke, es ist an der Zeit, angesichts gigantischer Staatsschulden und verhängnisvoller wirtschaftlicher Entwicklungen auch in diesen Bereichen wieder etwas mehr Realismus und damit auch Bescheidenheit an den Tag zu legen. Das wären für mich wirkliche Hoffnungszeichen!

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