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"Hinhören!"

Gedanken zum 1. Sonntag nach Epiphanias 2010

Pfarrer Norbert Mecke

Norbert Mecke
Pfarrer im Kirchspiel Holzhausen

Zur Fantasie für den Frieden

"Nu hat se ihr Fett weg!", wie der "Nochthesse äs schbricht": die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Margot Käßmann. Von der Kanzel an den Pranger.

Sie predigte werbend für fantasievollere Friedensmissionen. Und Fantasie folgte reichlich: Etlichen scheinen allein die Stichworte "Afghanistan", "Bundeswehr" und "nichts ist gut" auszureichen, um sich ein Bild zu machen, was sie da wohl Neujahr gesagt hat, und es dann heftig zu kritisieren.

Es wirkt wie bei dem Witz, in dem ein unaufmerksamer Gottesdienstbesucher daheim erzählen soll, über was gepredigt wurde. Er überspielt seinen Kirchenschlaf gekonnt, indem er einfach sagt: "Über die Sünde! Und der Pfarrer war dagegen."

Wir wissen jetzt also, was die Bischöfin zum Jahresauftakt gepredigt hat: "Über den Afghanistaneinsatz und die Bundeswehr! Und sie war dagegen." Wer die Predigt nachliest (www.ekd.de), kann nur staunen, was da aus ein paar herausgepickten Stichworten zusammengereimt wurde. Und: Sich denken, dass es wohl oft genug in öffentlichen Medien und bei privaten Kaffeetafeln genau so läuft.

Missverständnisse eben!? Das trifft es nicht. Wir hören immer mehr, aber immer weniger hin. Meinungen werden immer häufiger entlang einiger Schlagworte "gemacht" als sich in Ruhe und mit Sorgfalt "gebildet".

Sorgfältig hatte sie formuliert, die Ratsvorsitzende, die in den 90er Jahren Hofgeismarer Nachbarin war: weiß sie doch auch, dass man manchmal Gewaltmissbrauch nur damit begegnen kann, dass man ihn eindämmt - notfalls mit Mitteln wie derzeit in Afghanistan. Menschen müssen Menschen voreinander schützen. Leider.

Gut, wenn es dazu legitimierte, sensibel und beherzt agierende Polizisten und Soldaten gibt. Dass aber der Weg zum Frieden im In- und Ausland ein permanentes Mehr an Fantasie braucht und dass der "Notfall" der Gewaltanwendung gegen Gewalt alles andere als der "Idealfall" ist, dürfen und müssen Christen von der Hoffnung auf Gottes Zukunft beflügelt aussprechen.

Nicht "besserwisserisch" und weltfremd - beides kann man Margot Käßmann auch wahrlich nicht vorwerfen -, sondern einladend und mit eigenem Ringen um das Gelingen von Frieden. Das fängt genau damit an, dass "ein jeder Mensch schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn ist" (Jakobus 1,19).

Hätte mancher genauer hingehört oder nachgelesen, hätte er seine Fantasie längst schon prima für den Frieden einsetzen können, statt für schnelle Statements zu Dingen, die nie gesagt wurden.

Aber wer weiß: Am Ende ist das Erschrecken über den Umgang mit der Neujahrspredigt einer Bischöfin sogar der eigentliche Anfang - für ein bewussteres Hinhören und damit für den Frieden. In Afghanistan? Auf jeden Fall hier bei uns!

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