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Zorn und Kerzen

Gedanken zum 4. Advent 2010

Pfr. Michael Dorhs

Pfarrer Dr. Michael Dorhs
Studienleiter am Ev. Predigerseminar in Hofgeismar

Die andere Seite des Advents

In jedem Krippenspiel fehlt er, obwohl er doch unverzichtbar zur Advents- und Weihnachtszeit dazugehört: Johannes der Täufer. Sperrig, wie er ist, passt er nicht in das Bild von der heiligen Familie.

Johannes, ein Bußprediger, der den Menschen die Wacht ansagt. Umkehren sollen sie, um gerade so Gottes Kommen in unsere Welt vorzubereiten. Die feurige und drohende Rede, die er hält, sie klingt heute so wenig einladend wie damals.

"Ihr Schlangenbrut, wer hat denn euch gewiss gemacht, dass ihr dem künftigen Zorn entrinnen werdet? Bringt rechtschaffende Früchte der Buße. Jeder Baum, der nicht gute Früchte bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen."

Gewinnt man so Menschen, indem man sie beschimpft, ihnen Angst einjagt? Wohl kaum! Kein Wunder, dass er fehlt in den Weihnachtskrippen. Und trotzdem bekomme ich in diesen Wochen seine Stimme nicht aus dem Ohr.

Wenn ich mich abends zu Hause an den Kerzen meines Adventskranzes freue und an den leckeren Lebkuchen, dann weiß ich natürlich, dass das nicht alles ist. Und meine Gedanken wandern in Gegenden der Welt, in denen es ganz und gar nicht harmonisch zugeht, und zu Menschen, die es alles andere als schön und friedlich haben.

Adventszeit - das ist eben auch Buß- und Fastenzeit! Eine Zeit, das eigene Leben zu überdenken, um Vergebung zu bitten und zu ändern, was in die falsche Richtung läuft. An dem Ort, an dem ich lebe, mich um Gerechtigkeit bemühen z.B.. Abgeben von dem, was ich ohnedies zu viel habe. Oder davon absehen, meine Chancen in jedem Moment skrupellos auszunutzen...

Nein, das Reich Gottes brauchen wir nicht selbst auf die Erde zu holen. Das sollen wir ruhig Gott überlassen. Aber was wir tun können, ist, ihm den Weg zu bereiten, eigene Pflaster-, manchmal auch Stolpersteine zu verlegen, damit man ins Nachdenken kommt und es vorangeht.

Daran erinnert uns Johannes der Täufer. Im Advent brauchen wir die Engel und die Hirten, die Kerzen und die Lebkuchen. Aber wir brauchen auch den zornigen und aufrüttelnden Johannes, der jeden und jede von uns in die Pflicht nimmt, um es bei möglichst vielen Menschen Weihnachten werden zu lassen.

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