Zufallsbilder - Landschaften im Kirchenkreis Hofgeismar

 

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Das Mädchen mit den dunklen Augen

Gedanken zum 12. Sonntag nach Trinitatis 2009

Pfrin Andrea Braner

Pfarrerin Andrea Braner
Kindergottesdienstbeauftragte für den Sprengel Kassel, wohnhaft in Hofgeismar

Die Sommerferien sind vorbei. Haben Sie Ihren Urlaub zu Hause verbracht? Oder waren Sie verreist? Vielleicht sogar im Ausland? Und sind Sie dort aufgefallen wegen Ihres andersartigen Aussehens? Das ist eher unwahrscheinlich, weil wir Deutschen überall auf der Welt als Touristen bekannt sind.

Ich hoffe, es hat Ihnen dort gefallen, wo Sie waren und man ist Ihnen freundlich begegnet. Sicher kennen Sie den Spruch "Alle Menschen sind Ausländer - fast überall". Wieder zu Hause im eigenen Land vergessen wir das manchmal ebenso wie die Gastfreundschaft, die wir im Ausland erfahren durften.

Ich möchte Ihnen eine eindrucksvolle Geschichte erzählen, die ich irgendwo gelesen habe:

Ein Bus ist in der nassen, grauen Kleinstadt unterwegs. An der letzten Haltestelle ist ein etwa 12 jähriges Mädchen zugestiegen. Es hat dunkle Augen und ganz schwarze Haare. Das Mädchen ist sehr hübsch.

In einer engen Kurve legt sich der Bus unsanft in die Kurve. Die Menschen, die sich schon an der Tür aufgestellt haben, weil sie gleich aussteigen wollen, werden durchgeschüttelt. Neben dem Mädchen steht eine Frau, die plötzlich zu schimpfen anfängt: "Das freche Ding hier, das ausländische, hat mich gestoßen! Eine Unverschämtheit ist das! Ausländergesindel! Wahrscheinlich hat es noch nicht mal eine Fahrkarte! Das kennt man ja!"

Die Leute neben ihr drehen sich verlegen zur Seite und sagen nichts. Das Mädchen starrt voller Angst mit seinen dunklen Augen auf die Schimpfende. Die kann sich nicht beruhigen. "Fahrer! Anhalten! Kontrollieren Sie erstmal die Fahrkarte von dem Kind! Und weisen Sie es aus dem Bus hinaus! Es muss bestraft werden für seine Unverschämtheit!"

Der Bus bremst - Haltestelle. Der Fahrer dreht sich um. Jung ist er und strohblond. "Das Mädchen bleibt da!", sagt er bestimmt. "Es ist meine Tochter." Die Frau verstummt. Sie schnappt nach Luft und verlässt fluchtartig den Bus.

Das Mädchen geht zu dem Fahrer. "Danke!", haucht es leise. "Schon gut!", lächelt er. "Ich habe selbst eine Tochter in deinem Alter. Sie ist blond und hat fast so schöne Augen wie du!"

Auch wir sind Ausländer - fast überall - und möchten freundlich behandelt werden genau wie die Menschen, die in Deutschland sogenannte "Ausländer" sind.

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