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Das Leben "danach"

Gedanken zum 6. Sonntag nach Trinitatis 2009

Pfr. Michael Dorhs

Pfarrer Dr. Michael Dorhs
Studienleiter am Ev. Predigerseminar in Hofgeismar

Sintflut-Erfahrungen

Der Schmerz über die untergegangene Welt stand ihm noch ins Gesicht geschrieben. Vieles von dem, was seinem Leben bisher Halt und Struktur gegeben hatte, war weg - buchstäblich fortgeschwemmt in einer großen Katastrophe. So hatte er es jedenfalls empfunden.

Es gab Tage, da fühlte er sich wie Noah nach der Sintflut. Die Welt, in der er jetzt lebte, war nicht mehr dieselbe, wie vorher. Wie schafft man das, in einer solchen Situation nach vorne zu schauen und nicht zurück? Woher kommt die Kraft zum Weiterleben?

Noahs Antwort war eindeutig: Das erste, was er tat, als er die Arche wieder verlassen konnte, war Gott zu danken! Die Bibel erzählt, dass er Gott zu Ehren einen kleinen Altar baute und ihm ein Dankopfer darbrachte.

Ungewöhnlich! Denn in der Regel ist die Dankbarkeit das erste, was einem im Halse stecken bleibt, wenn Schlimmes passiert im eigenen Leben. Vielleicht war es ihm möglich, weil er es nicht gegen seine Gefühle tat, sondern mit ihnen, in aller Gebrochenheit, mit allen Vorbehalten.

Noah dankte Gott für die Bewahrung und für die Chance eines Neuanfangs und fing auf diese Weise an, die große Katastrophe hinter sich zu lassen. Als das Wasser um ihn herum noch stetig anstieg, wäre ihm das nicht möglich gewesen.

Dankbarkeit braucht Zeit und wenigstens ein Stückchen Abstand zu den Erfahrungen, die das alte Leben haben untergehen lassen. Solange einen die eigenen traurigen oder zornigen Gefühle vollkommen überwältigen, ist der Blick noch verstellt.

Es ist kein Zufall, dachte er, dass Noah erst festen Boden unter seinen Füßen spüren musste, bevor er wieder mit hoffungsvollen Augen in die Zukunft schauen konnte. Nein, die Trauer über das, was er verloren hatte, war nicht einfach weg. Wie sollte das auch gehen?

Aber tief in ihm war eine Klarheit, die ihm half, erste Schritte in "das Leben danach" zu wagen. Hoffnung, dachte er, ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht!

Ein Gedanke von Vaclav Havel - nicht von Noah, nicht aus der Bibel, aber ganz in ihrem Sinne. Denn die Bibel rechnet damit, dass in allem Schweren Gott für den Sinn dessen eintritt, was wir erleben.

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