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Verblüffender Glaube

Gedanken zum 3. Sonntag nach Trinitatis 2009

Pfarrer Andreas Herrmann

Andreas Herrmann
Pfarrer an der Altstädter Kirche Hofgeismar und Kelze

"Besser den Glauben ohne Heimat als die Heimat ohne Glauben!" So lautet ein Satz aus dem Theaterstück, das am kommenden Wochenende aus Anlass des 300 - jährigen Bestehens der Kelzer Hugenottenkirche aufgeführt wird.

In diesen Worten spiegelt sich die Haltung des Genfer Reformators Johannes Calvin wider, dessen 500. Geburtstag wir in diesem Jahr ebenfalls feiern können.

"Tausende und Abertausende sind abgefallen" heißt es weiter in diesem Stück. "Schikane ohne Ende." Weil der Druck auf die Protestanten in Frankreich zu groß wurde, gaben viele nach und fielen von ihrem Glauben ab. "Da wagt er nun das Äußerste und Letzte."

Gemeint ist die Auflösung des Edikts von Nantes im Jahre 1685 durch König Ludwig den XIV. Dieser Vertrag hatte den Hugenotten die Bürgerrechte gesichert, seine Aufhebung bedeutete das Ende jeglicher Toleranz.

"Was sollen wir nun wählen. Die Heimat oder den Glauben?" Das vom ehemaligen Altstädter Pfarrer Ernst Fuchs 1949 verfasste Schauspiel erzählt von einer Familie, die sich für den Glauben entschieden hatte und ihre Heimat verließ.

Wir können nur von ferne nachempfinden, was die Menschen damals auf sich genommen haben. Aber es verdient bis heute unsere Bewunderung, wie viele aus tiefster Glaubensüberzeugung gehandelt haben und Schritte in eine unbekannte Zukunft wagten.

"Bei Verlust des ganzen Vermögens, bei Androhung von Galeerenstrafe." "Mein Gott, was für ein Glaube?" spricht der im Theaterstück auftretende Priester Salignac genauso anerkennend wie verblüfft aus, als er an der Grenze auf die flüchtenden Hugenotten trifft.

Es ist nicht hilfreich, uns heute ständig Helden des Glaubens vor die Augen zu malen, weil dadurch umso mehr der Abstand zu diesen deutlich wird. Wir können und brauchen uns nicht mit Dietrich Bonhoeffer, Martin Luther King oder Mutter Theresa vergleichen.

Aber eine Erinnerung an Charles Bouchard, Paul Andrieu oder Francois Benoit, die neben vielen anderen zu den ersten hugenottischen Siedlern in unserer Region gehörten, müsste nicht ohne jegliche Wirkung bleiben.

So könnte uns das Nachdenken über die vor über 300 Jahren aus Frankreich geflohenen Menschen zu der Frage führen, ob wir (wenigstens hin und wieder) andere mit unserem Glauben verblüffen. Lassen Sie es uns versuchen!

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