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"Nun, Herr, wessen soll ich mich trösten?"

Gedanken zum Amoklauf in Winnenden

Pfarrer Jochen Bundschuh

Dr. Jochen Cornelius-Bundschuh
Pfarrer und Direktor des Predigerseminars Hofgeismar

Warum tut einer das? Tötet 15 Menschen und zum Schluss sich selber. Warum tut einer das? Ich habe keine Antwort. Ich finde das, was in Winnenden geschehen ist, grauenhaft und entsetzlich.

Für die Angehörigen, die ihre Töchter und Söhne, Geschwister, Ehepartnerinnen und Ehepartner verloren haben. Wie lange wird es dauern, bis sie begriffen haben, was geschehen ist? Wie werden sie damit leben? Wo finden sie Trost?

Für die Jugendlichen: Manche können es gar nicht fassen, dass sie noch einmal davon gekommen sind: "Warum meine Freundin, warum nicht ich?" Sie werden diesen Schrecken Zeit ihres Lebens mit sich tragen. Werden sie sich irgendwann wieder unbeschwert in ihrer Schule bewegen?

Für Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler über Winnenden und Wendlingen hinaus. Manche wollten nicht in die Schule am nächsten Tag. Das Grundvertrauen hat einen Sprung bekommen. Kann das auch in unserer Schule geschehen? Was hat solche Gewalt mit Schule zu tun?

Hätte die Tat verhindert werden können? Durch strengere Waffengesetze? Hat da wieder einer am Computer gelernt, dass die Welt ein Schießplatz ist, dass sich Probleme mit Waffengewalt lösen lassen?

Bin ich eigentlich aufmerksam genug für das, was mein Kind tut? Was hat diesen jungen Mann so beschämt, dass er sich zum Werkzeug brutaler Gewalt machte? War das vielleicht auch seine Frage: "Nun, Herr, wessen soll ich mich trösten?"

Am Abend des 11. März kamen viele in Winnenden in die Kirche zum ökumenischen Gottesdienst: Weinen und schweigen, den Kopf in den Händen, Kerzen anzünden, Hände halten. Beten geht auch ohne Worte, auch mit Stammeln und Seufzen.

Das Kreuz stand in der Mitte. Zwischen den Leidenden, die keine Antwort wissen; zwischen denen, die zu helfen versuchen, indem sie da sind und zuhören. Der gekreuzigte Christus ist unter ihnen mit der Frage auf den Lippen, die viele plagt:

"Nun, Herr, wessen soll ich mich trösten? Ich hoffe auf dich. Höre mein Gebet, Herr, und vernimm mein Schreien, schweige nicht zu meinen Tränen." (Psalm 39, Vers 8 und 13)

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