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Darwinjahr

Gedanken zum Sonntag Estomihi 2009

Pfarrer Martin Rautenkranz

Pfarrer Martin Rautenkranz
Gemeindepfarrer in Helmarshausen

Sonnenaufgang über dem Diemeltal. Ein herrliches Licht strahlt durch den sich hebenden Nebel, der auf den gefrorenen Feldern liegt. Ich denke an den Rhythmus der Jahreszeiten, das baldige Aufbrechen neuen Lebens... und frage mich, wie das alles wohl entstanden ist.

Ein Psalm kommt mir in den Sinn: Herr, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weise geordnet und die Erde ist voll deiner Güter" (Ps. 104,24).

"Weise geordnet..." - am Abend vorher sah ich im Fernsehen eine Diskussionsrunde zu Charles Darwin und der Evolution. Darwinjahr.

Man erinnert daran, mit welch Intoleranz man vor 150 Jahren diesem Mann und seiner Lehre von der "Entstehung der Arten" begegnet ist, weil man sich in seinem (religiösen) Weltbild hinterfragt fühlte. Dabei hatte er doch wichtige neue Erkenntnisse gesammelt, z. B. über die Ausdifferenzierung der Pflanzen- und Tierwelt, die bis heute unbestritten sind.

An einem Punkt in der Diskussion komme ich ins Stocken. Da wagt ein Gesprächspartner (kein Theologe etwa!), die Bedeutung des "Zufalls" als Gestaltungsprinzip [?] der Evolution zu hinterfragen. In seinen Augen seien gerade manche genetischen Prozesse eher erklärbar, nimmt man statt dem Zufall einen dahinter liegenden Plan bzw. eine Ordnung an.

Schon wird die Diskussion lebhafter und die anderen Gestalter wehren sich vehement gegen diesen Gedanken, werden sogar unsachlich. Es drängte sich der Eindruck auf, dass in der Evolution der letzten Jahrzehnte die Intoleranz die Seiten gewechselt hat.

Wer hinter der Entwicklung des Lebens den Zufall stellt, ist gut und wissenschaftlich. Wer dahinter Plan oder Ordnung oder gar einen Schöpfer wähnt, ist rückständig und unwissenschaftlich.

In meinen Augen wäre es ehrlicher gewesen zuzugeben, dass wir - wissenschaftlich - vieles (noch) gar nicht wissen vom Ursprung des Lebens. Dass Natur und ihre Phänomene durchaus verschiedene Blickwinkel zulassen.

Der eine mag zufrieden sein mit dem Zufall als Erklärung. Der andere aber mag, wie ich auch, immer wieder ins Staunen kommen, ob beim Sonnenaufgang oder bei der Geburt neuen Lebens und bekennen: "Herr, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weise geordnet und die Erde ist voll deiner Güter".

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