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Was auf den Tisch kommt

Gedanken zum Erntedankfest 2009

Pfr. Thomas Schrader

Pfarrer Thomas Schrader
Gemeindepfarrer in Vernawahlshausen und Seelsorger in der Klinik Lippoldsberg.

"Iss, was auf den Tisch kommt", sagte Oma in meinen Kindertagen. Reste durften nicht weggeworfen werden. Sie kamen als "adeliges Essen" - von gestern - zur Wiedervorlage.

Heute hat sich für die, die es sich leisten können oder müssen, ganz viel verändert. Ein Zettel liegt auf dem Tisch: "Essen steht in der Mikrowelle. Bis später". Gemeinsame Mahlzeiten sind nicht mehr selbstverständlich, sondern müssen verabredet werden.

Ein Gericht für alle? Nicht nötig. Fertiggerichte machen's möglich. Sie werden neudeutsch "Convenience-Products", Bequemlichkeits-Produkte, genannt. Tiefkühlpizza, Fischfilet, Kartoffelbrei, Puffer, Gyros, eine Soße aus dem Päckchen, Brokkoli und Blumenkohl, Möhren mit Kräuterbutter - nicht gerührt, nicht geschüttelt, nur sanft gewendet. Braucht alles drei Minuten. Mahlzeit.

Seit einigen Jahren essen die Deutschen mehr Kartoffeln aus der Tüte (35 kg) als Frischkartoffeln (32,5). Doppelt so viele Mäuler werden heute außer Haus gestopft als noch vor zehn Jahren. Die Gründe sind vielfältig: Weniger Zeit fürs Kochen, lange Schulzeiten, beruflich unterwegs sein, mehr "Single-Haushalte", ein breites Angebot an Nahrungsmitteln. Auch weniger Sinn für gemeinsame Zeiten?

Auf der anderen Seite stehen die, die zur Hofgeismarer Tafel oder ähnlichen Einrichtungen gehen. Da kaufen Menschen für weniger Geld das, was aus den Regalen der Supermärkte verschwinden muss. "Reste" sollen nicht weggeworfen werden - wie bei Oma und doch ganz anders.

Und da soll man Erntedank feiern? Dieses Fest kommt mir manchmal wie ein Überbleibsel aus alten Zeiten vor. Das Essen, unser "Verbrauch", ist entfremdet. Wer entdeckt noch die Arbeit des Bauern in seinem Brötchen, erkennt den Dorsch im Fischstäbchen, wer vernimmt noch das Leiden der Kreatur?

Erst auf den zweiten Blick ist das Erntedankfest eine Einladung. Es öffnet die Augen: Selbst in der Tiefkühlpizza und im Fischstäbchen stecken die Güter unserer Erde.

"Für dich und für mich ist der Tisch heut gedeckt! Danke, guter Gott, dass das Essen wieder schmeckt!" Diesen kleinen Rap lernen die Kinder in der Grundschule. Wer will, kann auf dem Tisch den Takt zu diesem Gebet klopfen. Es soll helfen, die Güter des Lebens, unser Essen und Trinken bewusster wahrzunehmen und Dank einzuüben.

Erntedank lädt zum Innehalten ein. So viele Dinge des Lebens sind nicht selbstverständlich. Sie sind Geschenk, so sehr auch eigene Arbeit in ihnen stecken mag. Das Erntedankfest ist eine geistliche Übung, die notwendigen Dinge mit anderen Augen zu sehen!

Das Erntedankfest lädt auch dazu ein, wieder einmal richtig gut zu kochen und zu Essen. Mit Zeit und Muße, frischen Zutaten, der ganzen Familie oder einigen Freunden. Wer genau hinsieht, entdeckt hinter dieser Art des Essens das Abendmahl der Kirche. Dank sei Gott!

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