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Leben wächst heimlich

Gedanken zu Ostern

Pfarrerin Anke Trömper-Dorhs

Pfarrerin Anke Trömper-Dorhs
Pfarrerin an einer Berufsschule in Kassel

"Der Stein ist fort, das Grab ist leer! Der Tod ist tot! Das Leben hat triumphiert, denn Gott ist Herr."

Die Osterbotschaft in einem Kinderlied. Die fröhliche Melodie macht das Mitsingen leicht. Während ich singe, glaube ich jedes Wort: Ostern feiern wir den Sieg des Lebens über den Tod.

Aber ist diese Botschaft wirklich so kinderleicht zu verstehen und zu begreifen? Ostern ist ein schwieriges Fest. Wir singen und feiern, dass der Tod tot ist. Und doch müssen wir Abschied nehmen von Menschen, allzu oft viel zu früh. Wir singen und feiern, dass das Leben triumphiert hat und doch gibt es um uns herum Elend und Not. Scheint nicht die Logik von Gewalt und Vernichtung recht zu behalten, der Tod mächtiger zu sein als das Leben?

Es wäre mehr als verständlich, wenn auch Maria von Magdala und die andere Maria so gefragt hätten, als sie sich auf den Weg gemacht hatten zum Grab Jesu. Denn war nicht ihre ganze Liebe und Hoffnung am Kreuz vernichtet worden? Verzweifelt waren sie und voller Angst davor, nicht mehr stark genug für das Leben zu sein.

Doch was dann am Tiefpunkt ihres Lebens passierte, ist mehr, als menschliche Vernunft begreifen kann. Davon kann man nur in Bildern erzählen, davon kann man nur mit dem Herzen singen. Ein gewaltiges Beben erschüttert die Erde, so wird es in der Bibel erzählt. Und ein Engel steigt vom Himmel herab, wälzt den Stein vom Grab beiseite und setzt sich auf ihn. Seine Botschaft an die beiden Frauen: "Jesus ist nicht hier. Er wurde auferweckt!"

Nicht Jesus und seine Sache sind am Ende, sondern der Tod. Nicht die Vergänglichkeit behält den Sieg, sondern das Leben. Am Ende aller Hoffnung hören die Frauen am Ostermorgen diese Worte. Angst und Freude liegen dicht beieinander, bei ihnen damals nicht anders als bei uns heute. Denn was wir sehen können ist etwas anderes als das, was wir zu hören bekommen! Ob wir wie die beiden Frauen dem Engel vertrauen und unseren ganzen Mut zusammen nehmen, um die Orte des Todes in unserem Leben zu verlassen?

Die Osterbotschaft ist kein Wissen, das beweisbar wäre und über das wir verfügen könnten. Aber sie ist vertrauenswürdig, weil Menschen ihre Wahrheit bis heute erleben. Beweise gibt es keine, aber dafür persönliche Erfahrungen, die zu Hoffnungszeichen werden.

Überall dort finde ich solche Zeichen, wo Leben wieder zu wachsen beginnt, wo eine Liebe oder eine Freundschaft gelingt, wo Menschen Schritte wagen, obwohl kein Weg zu sehen ist, wo sie aufrecht gehen und ihre Furcht überwinden. All das sind Hoffnungszeichen dafür, dass wir zu Ostern mit Recht den Sieg des Lebens über den Tod feiern.

Noch gibt es Ostern nicht ohne den Karfreitag. Und ohne das Kreuz wäre Gott auch nicht ernst zu nehmen. Die Opfer wären vergessen. Aber wir können mit den beiden Frauen die Gräber verlassen und das Leben feiern. Die Liebe hat überlebt und nichts auf der Welt kann sie uns wieder nehmen. Sie lässt uns leben und auferstehen mitten im Leben.

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