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Gedanken zum 11. Sonntag nach Trinitatis 2006

Pfarrer Christian Wachter

Christian Wachter, Pfarrer in Hofgeismar Gesundbrunnen, Schöneberg und Carlsdorf

Gottes Kraft in den Schwachen

Er ist kein schlechter Mensch. Im Gegenteil, er gehört eher zu den Hilfsbereiten. Er ist, wenn er erst einmal davon überzeugt ist, bereit, für eine gute Sache Geld und Zeit zu opfern. Ich staune, wie viel Energie er dafür aufbringt. Gutes tun, das ist wichtig.

Aber Gottesdienste, in denen er genötigt wird "Herr, erbarme dich" zu rufen und zu singen, die mag er nicht, da schickt er lieber seine Frau hin. Mit Gott hat er, ehrlich gesagt, nicht so viel am Hut.

Er möchte nicht um Hilfe bitten müssen. Doch selbst lässt er sich natürlich gerne bitten - auch von Gott oder von seiner Kirche, wenn es sein muss. Nur möchte er IHN nicht andauernd bitten oder loben müssen.

Lieber will er selbst gelobt werden, Anerkennung bekommen für eigene gute Taten. Im Urteil ist er schnell. In seinen Gesprächen teilt er die Menschen leichtfertig ein: In tüchtige und nutzlose, in gute und schlechte, in jene die er mag und die, die er nicht ab kann. Er beurteilt die Menschen äußerlich: Nach ihren Leistungen und Taten. Das geht oft so schnell im Gespräch, dass man bestenfalls Nicken und Zustimmen kann. Zur Gegenrede lässt er einem keine Zeit. Er will Bestätigung und keine Rückfragen. Barmherzigkeit, das ist nicht sein Ding.

Diese andere Sicht der Dinge, den Blick Gottes auf die Menschen kennt er nicht, oder er will ihn nicht kennen. Denn mit den Augen Gottes schauen, das hieße, sich selbst auch einmal kritisch zu sehen, um die eigene Begrenzung zu wissen, sie vor Gott zu bringen mit einem dreifachen "Herr, erbarme dich", Platz machen für den, der da kommt.

Allein, manchmal, wenn er anderen hilft, in der entwaffnenden Dankbarkeit der Hilflosen, da ist etwas, da überfällt ihn manchmal dieser Blick, der in Frage stellt, ein Blick, der ihm das Herz ungewollt wärmt, Dankbarkeit, die ihm, der doch stark sein und geben will, etwas schenkt.

Die gute Tat öffnet eine Tür, schenkt ihm aus dem Angesicht der Dankbaren selbst etwas von jener Güte, deren Wirklichkeit er sich nicht zugestehen wollte. Ganz dicht kommt ihm die Erkenntnis, wie Gottes Kraft in den Schwachen mächtig ist (2. Korinther 12,9).

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