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Was willst du?

Gedanken zum 10. Sonntag nach Trinitatis 2006

Pfarrerin Anke Trömper-Dorhs

Pfarrerin Anke Trömper-Dorhs
Pfarrerin an einer Berufsschule in Kassel

Eine heilsame Frage

Die Nachricht war schlecht, die sie im Krankenhaus von ihrem Arzt bekam. Um sie herum waren nun alle sehr bemüht, sie zu trösten und ihr Mut zu machen. Sie bekam Ratschläge von dem einen und Broschüren mit wichtigen Informationen von den anderen. "Wir wissen doch, wie es dir jetzt geht und was du brauchst!"

Alles war gut gemeint, doch sie selbst fühlte sich von mal zu mal kleiner, hilfloser und abhängiger. Bis zu dem Moment als sie wieder allein war, es an ihre Tür klopfte und eine Krankenschwester eintrat. Sie nahm sich einen Stuhl, setzte sich neben das Bett und sagte: "Ich habe gerade gehört, dass sie eine schlechte Nachricht bekommen haben. Gibt es etwas, was ich für sie tun kann?"

Eine ähnliche Frage hat Jesus auch einmal gestellt. Ein offensichtlich blinder Mann steht vor ihm. Er hat zweimal laut danach geschrien, endlich zu Jesus gebracht zu werden. Und Jesus fragt ihn: "Was willst du, dass ich für dich tun soll?" Ja, sieht der denn nicht, was mit dem Mann los ist? Er ist blind, da ist doch klar, was er will, oder?

Jesus aber nimmt sich Zeit für diese Frage und handelt nicht gleich. Er fragt den Blinden, weil er ihm zutraut, dass er selbst am besten weiß, was gut für ihn ist. Er lässt ihm die Verantwortung für sein Leben und nimmt sie ihm nicht einfach ab. Jesus traut dem blinden Mann zu, dass er selbst weiß, was er braucht, um heil zu werden. Ein Stück vom Heil steckt nämlich schon in der Frage.

Wer so fragt, der geht menschlich mit dem anderen um um. Wer so fragt, der nimmt den anderen in jeder Situation ernst und respektiert ihn, ob gesund oder krank, alt oder jung, langsam oder schnell. Wer so gefragt wird, kann sich wieder als selbstständiger Mensch fühlen. Und er kann dann auch die ersten Schritte gehen, um heil zu werden.

Sie war so froh über die Frage der Krankenschwester und so erleichtert! Endlich ein Mensch, der sich Zeit nimmt, sich zu ihr setzt und sie danach fragt, was sie braucht. Endlich einer, der ihr zutraut, selbst entscheiden zu können und der nicht längst schon für sie entschieden hat.

Hinterher erzählte sie ihrer Freundin: "Ich konnte mich wieder spüren, ich konnte wieder selber merken, was mir jetzt helfen würde und das war der erste Schritt, um mich auch wieder heil zu fühlen!"

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