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Gedanken zum 16. Sonntag nach Trinitatis (Erntedank) 2006

Pfrn. Marianne Biskamp-Dotzert

Marianne Biskamp-Dotzert
Pfarrerin für Religionsunterricht an der Herwig-Blankertz-Schule, Hofgeismar

Dennis liest plötzlich ein Buch. Freiwillig. Viele Hundert Seiten: "Sakrileg" (D.Brown). Den Film dazu hat er natürlich auch gesehen. Ist fasziniert vom Geheimnisvollen, Mysteriösen. Wie etliche andere.

Katja interessiert sich brennend für die okkulten Disziplinen, bekommt regelmäßig Besuch von einem Geist. Kommuniziert mit Stimmen aus dem Jenseits. Zusammen mit ihrer Mutter! Nur zwei Beispiele aus dem schulischen Alltag.

Während trotz umfassender Unkenntnis Bibel und Kirche von vermeintlich aufgeklärten Zeitgenossen kurzerhand abgelehnt werden als "Märchenbuch" und antiquierte Institution mit düsterer Geschichte, sind dieselben bereit, schier Unglaubliches zu glauben.

Religion boomt schon lange: Bücher, Filme, esoterische Accessoires, Kurse und Seminare. Unüberschaubar der Markt der Möglichkeiten. Schwer sich hier zu orientieren und noch schwerer für viele zu differenzieren zwischen seriösen und unseriösen Angeboten, zwischen religiösen und pseudoreligiösen Strömungen, zwischen fundierten wissenschaftlichen Aussagen und gewinnbringender Effekthascherei.

Nicht nur für die junge Generation der Schülerinnen und Schüler passt alles zusammen in einen Topf, erscheint alles gleichwertig und gleich gültig. Offenbar hat der vielfach beklagte Traditionsabbruch in eine "transzendentale Obdachlosigkeit" (SPIEGEL) geführt, die den Menschen des 21. Jahrhunderts im Grunde zutiefst verängstigt und herumirren lässt auf der Suche nach einer "metaphysischen Beheimatung", die ihm Halt und seinem Leben eine Richtung gibt.

Wenn dies allerdings bedeutet, den eigenen Verstand auszuschalten, allzu einfache, teilweise radikale Antworten zu akzeptieren und sich in (emotionale) Abhängigkeiten zu begeben, dann ist Gefahr im Verzug - nicht nur für den einzelnen.

Bildungsmisere, Sparmaßnahmen, wirtschaftlicher Druck im Zuge der Globalisierung: Manch einer sähe den Religionsunterricht in Schulen gerne vom Lehrplan gestrichen zugunsten "wichtigerer" Fächer zum Erwerb fachlicher Qualifikationen. Dabei mahnen die krisenhaften Entwicklungen im Kleinen wie im Großen, den Menschen auch in seiner spirituellen Bedürftigkeit ernst zu nehmen und nicht allein zu lassen.

Es ist deshalb die gesellschaftlich durchaus relevante Aufgabe des Religionsunterrichts, hier zur kritischen Bewusstseinsbildung beizutragen, Kenntnisse zu vermitteln, "Geister" und "Geist" unterscheiden zu helfen.

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