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Zeichen der Annäherung

Gedanken zum 2. Advent 2006

Dekan i.R. Jochen Desel

Jochen Desel
Dekan i.R. im Kirchenkreis Hofgeismar

Stellen Sie sich vor, sie gehen über den Töpfermarkt in Hofgeismar, und es fällt Ihnen ein wildfremder Mensch um den Hals. Sie werden denken, so etwas passiert nicht. Am ersten Adventswochenende gab es das auf dem belebten Alexanderplatz in Berlin. Junge Männer und Frauen umarmten Vorübergehende.

Natürlich waren die Reaktionen unterschiedlich. Einige der "Betroffenen" lehnten diese "Annäherungsversuche" entrüstet ab. Ein Herr war ganz erbost über solche Dreistigkeit. Eine ältere Frau dagegen freute sich außerordentlich über den jungen Mann, der seine Arme um ihren Hals legte. Sie hatte solche Nähe lange vermisst.

Was sollte das Ganze? Es handelte sich um die "Aktion Umarmung," die aus dem fernen Australien in das alte Europa ausstrahlt. Menschen sollen sich näher kommen.

Ist das nicht genau die Umsetzung der weihnachtlichen Botschaft der Evangelien in unsere Zeit? In dem Kind in der Krippe ist der verborgene fremde Gott seinen Geschöpfen nahe gekommen. "Der Herr ist nahe," schreibt der Philipperbrief über das Weihnachtsgeschehen, und Dieter Trautwein dichtet: "Der immer schon uns nahe war, stellt sich als Mensch den Menschen dar." Sollten wir nicht versuchen, in einer kalten Welt die Nähe Gottes in geeigneter Weise umzumünzen in Nähe zu unseren Mitmenschen?

Ein Weihnachtsmarkt der besonderen Art hat das getan. Mit dem Motto "Hartz aber herzlich" werden dort Artikel zu günstigen Preisen an Arme verkauft, die vorher gespendet wurden. So können Menschen mit wenig Geld Geschenke kaufen, um anderen eine Freude zu machen. Ähnliches geschieht auf einem anspruchsvollen Weihnachtsmarkt, der von seinen Besuchern Eintritt nimmt. Das Geld kommt in diesen adventlichen Tagen Obdachlosen zugute.

Das jüdische Museum in Berlin veranstaltet im Hof "Weihnukka." Schon mit dem Namen des Marktes soll die Verbundenheit von Juden und Christen, von Weihnachten und Hanukka, dem jüdischen Lichterfest, herausgestellt werden. Jüdische und christliche Besucher kommen sich dort - und hoffentlich nicht nur dort - näher und lernen etwas vom Leben und Feiern des Anderen kennen.

In diesen adventlichen Tagen wurde ein ausländische junge Hotelangestellte gefragt, wie ihr das Gastland Deutschland gefalle. Sie war des Lobes voll. Nur eines gefiel ihr nicht. Die Deutschen säßen in der Straßenbahn und im Zugabteil so stumm nebeneinander. In ihrem Heimatland sei das anders: die Menschen sprächen miteinander, auch wenn sie sich fremd wären.

Ob wir es in dieser Advents- und Weihnachtszeit lernen, über Hürden und Gräben hinwegzuspringen, Nähe auszuhalten und Fremdheit zu überwinden? Das kann mit oder ohne Umarmung geschehen.

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