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Welche Sprache spricht eigentlich Gott?

Gedanken zum 2. Sonntag nach Epiphanias 2018

Pfarrerin Anne Hammann

Anne Hammann, Schulpfarrerin an der Arnold-Bode-Schule, Kassel

Kürzlich kam ich in eine meiner Klassen mit geflüchteten jungen Menschen. Noch bevor der Unterricht begann, fragte mich eine Syrerin: „Wissen Sie, worüber ich oft nachdenke? Welche Sprache spricht eigentlich Gott?“

Auf eine solche Frage unvorbereitet, schwieg ich einen Moment überrascht. Da sagte ein junger Afghane: „Gott spricht arabisch.“

Nachdem die allgemeine Heiterkeit, die diese kecke Antwort auslöste, verebbt war, sagte ich vorsichtig: „Gott versteht mit Sicherheit arabisch. So wie er alle Sprachen dieser Welt versteht. Aber er selbst spricht die Sprache der Liebe.“

Jetzt waren die Schülerinnen und Schüler einen Moment überrascht und fragten mich schließlich, was das für eine Sprache sei. „Die Sprache der Liebe sprechen Eltern mit ihren Kindern“, sagte ich.

„Gute Eltern jedenfalls. Sie wollen ihrem Kind Sicherheit und Geborgenheit geben und Vertrauen ins Leben. Sie möchten ihr Kind stärken und zu einem mutigen und freien Menschen erziehen, einem Menschen, der Lust hat, in die Welt zu gehen, dabei aber weiß, dass er jederzeit nach Hause zurückkehren darf.“

Welche Sprache sprechen wir eigentlich, liebe Leserinnen und Leser? Ja, ich weiß, natürlich sprechen wir deutsch...Aber wie klingen unsere Worte in den Ohren der Mitmenschen, die die Bibel unsere Nächsten nennt?

„Der Ton macht die Musik“, sagt ein Sprichwort. Vielleicht ist es Zeit, so wie viele Geschäfte es im Moment tun, einmal in unserem Herzen Inventur zu machen.

Wie spreche ich eigentlich mit meinem Mann, meiner Partnerin?
Wie mit meinen Kindern und Enkelkindern?
Wie mit meiner Vorgesetzten und mit meinen Kollegen?

Ist es noch die Sprache der Liebe? Die Sprache, die anderen Mut macht, ihnen Freiheit gewährt, sie zum Leben stärkt?

Jesus Christus ist das Mensch gewordene Wort Gottes. Wenn wir, wie Maria, an seinen Lippen hängen, dann werden wir füreinander die richtigen Worte finden.

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen einen gesegneten 2. Sonntag nach Epiphanias.

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